Mittwoch, 3. Oktober 2012

F(r)eiertag

Für den heutigen Feiertag habe ich mir nur eine Stunde länger im Bett zugestanden als an normalen Werktagen. Und damit ich nicht der Versuchung erliege doch nochmal unter die warme Decke zu schlüpfen, habe ich unmittelbar nach der Katzenwäsche sämtliche Fenster aufgerissen - es roch in der Wohnung noch nach meinem Abendessen von gestern, einem Hähnchencurry aus Hähnchenbrust, gelber Paprika, Zwiebel, Ingwer, Joghurt und einmal-quer-durch-den-Gewürzschrank aka Salz & Pfeffer, Bockshornkleesamen, Kreuzkümmel, Schwarzkümmel, Kurkuma (für die Farbe, viel Eigengeschmack hat das Zeug ja irgendwie nicht), Currypulver, roter Currypaste und etwas Soja-Sauce. Schmeckte gestern Abend sehr lecker, aber das abgestandene Odeur eines am Vortag gekochten Essens lässt am nächsten Morgen doch sehr zu wünschen und den Wunsch nach frischer Luft übrig ...

Eigentlich schon angezogen für meinen sonn- und feiertäglichen 8.00-Uhr-Besuch bei der örtlichen Bäckerei entschied ich mich dann doch gegen frische Brötchen (und Süßkram...) und nahm mit dem altbackenen Inhalt meiner Brotschublade Vorlieb. Nun gut, Kaffee gekocht, ein Brötchen mit Marmelade geschmiert, PC angeschalten (erst mal gegoogled, ob es nun "angeschaltet" oder "angeschalten" heißen muss und gelernt, dass mein Bauchgefühl für "angeschalten" nicht falsch war, es sich dabei aber um eine veraltete Form handelt und "schalten" mittlerweile schwach konjugiert wird, also "ich habe angeschaltet"; als Liebhaberin veralteter Ausdrücke bleibe ich aber lieber bei der alten Form), ersten Rundgang zu meinen bevorzugten Ecken des Internets gemacht, Mails abgerufen. Erster Biss ins Brötchen - hmmppffrrgg - auf dem Bissen vorsichtig herumgekaut und den Geschmack für etwas sonderbar empfunden, das Brötchen einer genaueren Prüfung unterzogen... und einen winzigen Schimmelfleck entdeckt. Übersehen :-( Nun ja, man weiß ja mittlerweile, dass bei Brot der Schimmelpilz eigentlich schon überall ist, wenn er irgendwo sichtbar wird. Mahlzeit.Ich werd's überleben :-). Brötchen also entsorgt und somit einen Grund gehabt, DOCH zum Bäcker zu gehen :-)
So kam ich doch noch zu meinem Morgenspaziergang, widerstand beim Bäcker trotzdem dem Süßkram und frühstückte im zweiten Anlauf eine Laugenbrezel und einen Apfel mit dem restlichen Joghurt, der beim Kochen am Vorabend übrig geblieben war.

Der Unzufriedenheits-Flash, der sich im letzten Post niedergeschlagen hatte, ist halbwegs überwunden. Gestern einen guten Tag im Büro gehabt, deshalb auch für Donnerstag und Freitag motiviert. Vielleicht ist mein Problem weniger der Stress an den Arbeitstagen (der bleibt einfach nicht aus und die Möglichkeiten, den Umgang damit zu verändern, sind begrenzt) als vielmehr der fehlende Gegenpol an den Wochenenden und Feiertagen. Vielleicht müsste ich mich zu mehr "Freizeit(stress)" zwingen ?
Rudimentäre Erinnerungsfetzen an den Chemie-Unterricht vor einer halben Ewigkeit: manch exotherme Reaktionen benötigen zunächst eine gewisse Aktivierungsenergie, damit die Reaktion überhaupt anläuft (so war das doch ?).
Vielleicht muss ich mich zu (Freizeit-)Aktivitäten (außerhalb der Arbeit) zwingen (Selbstüberwindung als Aktivierungsenergie), damit ich (dann doch) Freude daran empfinde und einen positiven Effekt, einen Gewinn daraus ziehe (also Erholung und Stressabbau als exotherme Reaktion), statt zu Hause zu bleiben, weil ich nicht zusätzlich Freizeitstress haben möchte ?

Gestern rief mir ein guter Freund aus dem Internet in Erinnerung, einfach mal "ich muss" und "ich soll(te)" in meinem Sprachgebrauch durch "ich möchte", "ich kann" oder "ich darf" zu ersetzen.
Okay, ich reagiere zuweilen etwas allergisch, wenn man mir mit irgendwelchen oberflächlichen Motivations-Tricks und positiv-Denken-Floskeln kommt, aber das hängt auch immer davon ab, von wem mir das gesagt wird (im Falle dieses Freundes kann ich es akzeptieren).
Und ja... das lässt manches in einem anderen Licht erscheinen:
  • Ich muss heute Mittag nicht zu Termin X (weil ich eine Einladung bekommen und zugesagt habe, obwohl ich befürchte, dass es nicht besonders unterhaltsam sein wird), sondern ich darf (weil die Einladung zeigt, dass man mich wertschätzt und gerne dabei haben möchte) und kann dorthin laufen (weil ich zwei gesunde Beine, einen gesunden Körper habe und gehen kann wohin und wann ich will, ohne z.B. auf andere Menschen angewiesen zu sein).
  • Zwar muss ich auch, aber vor allem kann ich morgen zur Arbeit (weil ich, im Gegensatz zu vielen Menschen in unserem Land bzw. auf der ganzen Welt, die Möglichkeit und Chance habe, in einem halbwegs gut bezahlten Job unter akzeptablen Arbeitsbedingungen zu arbeiten, ohne ausgebeutet zu werden) und darf in diesem Job ziemlich eigenverantwortlich arbeiten, weil ich weiß, dass mein (direkter) Vorgesetzter mir vertraut und mich schätzt.
Wenn man dann noch beruflich tagtäglich mit Menschen in sehr schwierigen Lebenssituationen konfrontiert wird, verschwinden die eigenen Sorgen & Probleme zwar nicht, aber man gewinnt doch eine andere Perspektive.

So, Müslischüssel (Apfel / Joghurt) leer, jetzt darf / kann ich spülen, weil bei uns fließend kaltes und warmes Wasser zu erschwinglichem Preis eine Selbstverständlichkeit ist (wenn dir / Ihnen der Wasserpreis zu hoch erscheint, empfehle ich eine Besichtigung der örtlichen Wasserförderungs-/aufbereitungsanlagen mit fachkundiger Führung, evtl. auch der Abwasserreinigungs-/kläranlage).
Wenn's um Urlaub oder die allerneueste Technologie geht, spielt Geld für viele keine (große) Rolle, aber bei der Grundversorgung, z.B. mit Lebensmitteln oder eben Trinkwasser, kommt's manchen auf Cent-Beträge an. Verkehrte Welt.


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