Samstag, 31. Dezember 2016

Blog statt Böller

Wenn ich an diesem Silvesterabend noch etwas erledigen muss, dann ein Quartals- und Jahresabschlussposting schreiben.
Es ist gerade 18.00 Uhr und draußen zündet jemand fleißig Böller und Raketen. Da man in Thailand, Kambodscha, Indonesien etc. um ca. 18.00 MEZ ins neue Jahr startete, dürfte Südostasien keine 500m von meinem Fenster in der fränkischen Ödnis entfernt liegen. Das finde ich toll, da gehe ich doch morgen früh gleich mal zum Meer.

Ich feiere nicht. Oder jedenfalls gehe ich auf keine Party. Obwohl, nein, ich feiere auch nicht. Was Silvester / Neujahr angeht, bin ich recht nüchtern (sowohl was Alkohol als auch Vorsätze und das ganze restliche Jahreswechselgedöns anbelangt). Heute ist Samstag, der 31. Tag eines Monats, morgen ist Sonntag, der 1. Tag eines neuen Monats und ach ja, ganz hinten am Datum ändert sich auch eine Zahl. Die einzigen maßgeblichen Veränderungen im Zusammenhang mit einem Jahreswechsel, auf die ich ggf. achte, sind Gesetze, Richtwerte, Regelungen, die für mich vielleicht von Bedeutung sind.
Aber mich und / oder mein Leben ändern, etwas ander(e)s tun als zuvor und was man sich sonst so an Silvester vornimmt, das geht auch an jedem anderen Tag und ist vielleicht sogar erfolgversprechender, wenn ich etwas beginne / beende / ändere, weil ich es genau an diesem (anderen) konkreten Tag will und dazu bereit bin, statt dies in Abhängigkeit vom Jahreswechsel tun. Was wiederum nicht ausschließt, dass dieser konkrete Tag durchaus Silvester oder Neujahr sein kann. Aber eben jedem das Seine/Ihre, nicht wahr?

Nun bin ich nicht grundsätzlich ein Partymuffel, aber alle Silvesterfeiern, bei denen ich jemals war oder zu denen ich gehen könnte bzw. alle Bekannte / Freunde, mit denen ich zusammen den Silvesterabend verbringen könnte, feiern diesen Abend mit (nicht wenig) Alkohol sowie mitternächtlichem Umarmen und Gruppenkuscheln sowie Feuerwerkszündeln (was bedeutet, dass die ganze Horde nach draußen geht). Ich trinke wenig bis gar keinen Alkohol (zumal ich meist sowieso das Auto brauche, um an den Ort des Geschehens zu kommen), mag dieses alkoholdunstgeschwängerte Neujahrs-Geknutsche nicht (brrrrr!) und draußen ist es (besonders heute) a) kalt und b) ertrage ich die Knallerei einfach nicht mehr so wie früher.
Mit anderen Worten: für die herkömmliche Silvesterparty bin ich eine absolute Spaßbremse :-)

Also feiere ich meist nicht am Silvesterabend, sondern genieße die Tage um die Jahreswende auf andere Weise. So war ich gestern mit einer Kollegin im Café (extrem überfüllt, gefühlt waren sämtliche Jung-Eltern der Stadt mitsamt Nachwuchs dort, viele wuselnde & schreiende Kinder - aber auch sehr goldige kleine Würmchen), genoss das leckere Essen dort, und heute war ich im Elektronikfachmarkt und habe mir nachträglich selbst Weihnachtsgeschenk(e) gekauft. Wo andere Frauen in Bekleidungs- und Schuhgeschäften die Selbstkontrolle verlieren, könnte mir das eher in solchen Läden passieren. Okay, einen Drucker brauche ich, das Digitalradio wollte ich schon lange, aber dann musste ich wirklich mit großer Selbstbeherrschung einen großen Bogen um Laptops & Co. machen.
In den Läden war es heute auch viel entspannter als noch gestern Nachmittag / Abend, die meisten hatten wohl ihre Vorräte (den Einkaufswägen nach zu urteilen für ca. 3 Wochen ôô) schon eingekauft und heute waren dann nur noch diejenigen unterwegs, die es entspannt angehen lassen konnten, weil sie nicht für die logistische Versorgung einer Großfamilie oder Silvesterfeier verantwortlich sind.
Und da zu Hause eh niemand auf mich wartet und mir danach war, bin ich anschließend zum Mittagsbuffet des panasiatischen Grillrestaurants gegangen und habe dort verdammt leckeres Sushi, gebratene/-s Ente bzw. Huhn mit pfannengerührtem Gemüse, Frühlingsrollen, gebackene Wan-Tans, Samosas und frisches Obst zum Nachtisch genossen. Mmmhh.

Mein persönliches Jahresschlussfazit:
[*Publikum unterdrückt ein Gähnen*]

Jedes Jahr hat gute und schlechte Zeiten, auch wenn es in 2016 einige besonders dunkle Tage bzw. Zeiten gab (Kriege, Terroranschläge...). Aufgrund meiner fast schon gleichgültigen Einstellung zum Jahreswechsel (siehe Anfang) liegt mir jedoch dieses Lamento á la "2016 kann weg" und "2017 kann nur besser werden" fern. Man kann sich an jedem Morgen entschließen den Tag so gut es einem möglich ist zu gestalten, freundlich zu den Mitmenschen zu sein, nachhaltig zu handeln - und nein, ich gehöre eigentlich sowas von gar nicht zur Fraktion "positives Denken", "Tsjakkaa - du schaffst es!" & Co., eher im Gegenteil... ich kenne Einsamkeit, Traurigkeit, Grübeleien durchaus und Melancholie ist mein zweiter Vorname.
Dennoch hoffe ich auch für morgen, übermorgen und jeden weiteren Tag, dass Menschen nachdenken, zur Vernunft kommen (ggf. im Austausch und Diskurs mit anderen Personen bzw. Staaten), sich geistig / ethisch fortentwickeln, aufeinander zu gehen und ihre Auseinandersetzungen und Konflikte beenden - sei es im Kleinen oder im (ganz) Großen.

Ich bin mir bewusst, dass es mir sehr gut geht - ich lebe in einem freien, demokratischen Land, kann meine Meinung offen äußern, kann - im Rahmen der Gesetze - tun oder auch lassen was bzw. leben wie ich will, kann (könnte) verreisen, wie es mir gerade passt usw. usf.
Ich bin (ziemlich) gesund, und wenn ich es mal nicht bin, gibt es ein Gesundheitssystem, das zwar oft gescholten wird, aber in Deutschland immer noch fast allen Menschen offen steht und diese ausreichend versorgt.
Ich habe genügend zu essen, jederzeit frisches Wasser aus der Leitung, ein Dach über dem Kopf, ein gemütliches Bett und eine Heizung, die mich vergessen lässt, dass wir draußen gerade frostige Minusgrade haben.
Und ich habe einen Job, in dem sich im Laufe des Jahres größere Veränderungen ergaben und ich noch nicht weiß, wohin die Reise letztendlich geht. Jedenfalls verdiene ich aber genügend Geld, um es mir - nicht nur an diesem letzten Tag des Jahres 2016 - öfter mal gut gehen lassen zu können.

Weil das alles deutlich mehr ist, als viele andere Menschen haben, ist 2016 für mich persönlich ein genauso gutes Jahr gewesen wie alle anderen zuvor auch - und dafür bin ich dankbar.


Kommentare:

Frau Schäufele hat gesagt…

Alles Gute für 2017, Alessa!

Alessa hat gesagt…

Danke dir - das wünsche ich dir und deinen Lieben auch!