Gestern Abend haben sich 9,50 EUR Eintritt ins Kino zzgl. 3,90 EUR für eine kleine Portion Popcorn endlich wieder mal gelohnt: wir schauten uns 'Inception' an. Zunächst spannte man uns ziemlich lange auf die Folter: lt. Programm sollte der Film um 19.40 Uhr beginnen, 10-15 Min Werbung sind üblich und akzeptabel. Als der Film dann um 20.10 Uhr endlich anlief, hatte ich mich schon einen Augenblick lang gefragt, ob es irgendeinen Zwischenfall gab (kann mich noch an den Kinobesuch anlässlich Jurassic Park II erinnern, als es Probleme mit dem Film gab und wir alle während der Wartezeit ein Eis spendiert bekamen...).
Vorgewarnt durch die Aussagen anderer Bekannter, die den Film schon gesehen hatten, und diverse Kritiken im Internet versuchte ich von Anfang an konzentriert die Handlung zu verfolgen und nicht den Überblick zu verlieren, was Realität und was Traum ist. Schließlich spielt der Film über weite Strecken im Traum und wenn man ans Ende des Films denkt, könnte es sogar sein, dass sich der ganze Film in einem Traum des Hauptdarstellers Dom(inic) Cobb (Leonardo di Caprio) abspielt.
Dieser hat die Herausforderung angenommen, die Technik der "Extraction", bei der sich die Person des "Extractors" Zugang zu den Träumen eines Menschen verschafft und sich darin wie in einem luziden Traum gezielt bewegen und handeln kann, in Form von "Inception" auf die Spitze zu treiben, nämlich einem anderen Menschen einen Gedanken zu implantieren, der sich im Bewusstsein dieses Menschen einnistet, entwickelt und sein Handeln beeinflusst. Der eigentliche Anlass für diese Inception - wirtschaftspolitische Interessen - geraten im Laufe des Films überwiegend in den Hintergrund, was aber auch nicht weiter schadet, wird doch der Zuschauer gleichzeitig Schritt für Schritt in Cobb's eigene Geschichte eingeweiht: denn Cobb hat Inception bereits praktiziert, und zwar bei seiner eigenen Ehefrau, die sich in den mit ihm zusammen erschaffenen Traumwelten verloren hatte und nicht mehr zwischen Realität und Traum unterscheiden konnte. Indem sie ihren Suizid so arrangiert hatte, dass Mordverdacht auf Cobb fiel, konnte dieser in der Folge nicht mehr in die Vereinigten Staaten einreisen und seine Kinder sehen, die fortan bei Cobb's Eltern lebten (wobei Cobb's Vater wiederum als Uni-Professor mit der Extraction vertraut zu sein scheint, weil er ihm für das Vorhaben der Inception auch eine neue Architektin für die Traumwelten empfiehlt, die junge Ariadne (Ellen Page). Ariadne wird Cobb später in der Traumwelt bei der Bewältigung seiner Schuldgefühle gegenüber seinen Kindern und seiner toten Frau (die als Projektion seines Unterbewusstseins versucht, Cobbs Vorhaben in der Traumwelt zu durchkreuzen und ihn so für immer bei sich in der Traunmwelt festzuhalten) zur Seite stehen - ich persönlich finde die Rolle der Ariadne zu mädchenhaft besetzt.
Es würde zu weit führen, den Verlauf des gesamten Films hier wiedergeben zu wollen - dafür gibt es schließlich genügend Rezensionen im Internet :-) - deshalb vielleicht noch ein Wort zum Schluss: jeder Extractor verfügt über ein höchstpersönliches "Totem", einem kleinen schweren Gegenstand, dessen Bedeutung nur ihm persönlich bekannt ist. Cobbs Totem ist ein kleiner schlichter Metallkreisel (der im Übrigen früher das Totem seiner verstorbenen Ehefrau Mal war ... ich habe mich gefragt, ob die Wahl des Namens "Mal" eine Anspielung auf die dunklen ("schlechten") Anteile des Unterbewusstseins sein sollte ?). Wenn er diesen Kreisel in Bewegung setzt und er kommt irgendwann wieder zum Stillstand und fällt um, weiß er, dass er sich wieder in der Realität befindet, andernfalls - wenn sich der Kreisel dreht und dreht - befindet er sich weiterhin im Traum. Am Ende des Films, als Cobb wieder in die Vereinigten Staaten zurückkehren kann und seine Kinder wiedertrifft, setzt er den Kreisel auf einem Holztisch in Bewegung, bevor er den Blick zu seinen Kindern wendet. Und die Kamera bzw. der Zuschauer sieht als letzte Einstellung den Kreisel, wie er sich dreht und dreht... kurz holpert und instabil wird und man sich schon freuen will, weil er gleich umkippt... was er aber dann doch nicht tut und sich weiterdreht - und dann wird die Leinwand schwarz. Dieses ungewisse Ende entlockte der gesamten Zuschauerschaft ein gequältes Aufstöhnen.
Alles in allem ein Film, der - wenn man versucht, der Handlung zu folgen - mich persönlich 2,5 Stunden lang (unterbrochen von 10min Pause) gedanklich gefesselt hat. Auch die Action kommt nicht zu kurz, wobei ich mich immer daran erinnern musste, dass es sich bei den vielen Angreifern, die auftauchten, um die "Abwehrkräfte" des eigenen Unterbewusstseins des Träumers handelte, das die Extraction bzw. Inception zu verhindern sucht.
Der Soundtrack von Hans Zimmer ist sehr düster, gewaltig, unheimlich. Hier ein interessanter Link, der eine (mögliche ?) Verbindung mit bzw. Inspiration durch das Lied "Non, je ne regrette rien" von Edith Piaf aufzeigt - dem Lied, das den Traumreisenden im Film die anstehende Rückkehr in die Wirklichkeit ankündigt.
Ich würde sagen: wem die Matrix-Trilogie gefallen hat, der wird auch an "Inception" (und dessen nächstem Teil, denn die oben erwähnte Schlussszene verlangt ja geradezu nach einer Fortsetzung...) Gefallen finden.
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